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Jackel, B. (2008): Lernen, wie das Gehirn es mag. Praktische Lern- und Spielvorschläge für Kindergarten, Grundschule und Familie. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH. ISBN 978-3-86731-014-7. 182 Seiten. € 15,95.

(Rezension von Professor Dr. V. Clausnitzer, ins Englische übertragen von E. Thiele)

Das Ziel der langjährigen Schul- und Hochschulpädagogin Dr. Birgit Jackel, das sie sich mit dieser ihrer 15. Buchveröffentlichung stellte, war es, Grundsätze „hirngerechten Lernens“ zu vermitteln, d. h. darzustellen, wie das menschliche Gehirn bei der Aufnahme neuer Erfahrungen funktioniert und wie dabei angewandte Lernmethoden behilflich oder kontraproduktiv sein können. Dass sie selbst aus einem großen Fundus eigener praktischer Erfahrungen schöpfen konnte, ist an der Freude und dem Engagement zu erkennen,  mit denen sie es verstanden hat, aktuelle neurowissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah und allgemeinverständlich, aber keineswegs simplifizierend, aufzuarbeiten. Und damit hat sie auch der Myofunktionellen Therapie, die bekanntlich ein nicht immer leichter Lernprozess ist,  einen guten Dienst erwiesen.

 

Ein besonderes Verdienst der Autorin besteht darin, drei Entwicklungslinien in den Diskussionen ums Lernen zusammenzuführen und ihre gegenseitige Abhängigkeit zu verdeutlichen, und zwar jeweils auf der Basis neuester und mit bildgebenden Verfahren nachgewiesener neurobiologischer Fakten: 1.) Kinder lernen mit allen sieben Sinnen (Jugendliche und Erwachsene ebenso). 2.) Lernzuwachs findet dann statt, wenn bisher gespeicherte Gedächtnisinhalte nicht ausreichen, ein Problem, eine Lebensaufgabe usw. zu lösen. 3.) In jedem Lernprozess ist auch das limbische System beteiligt, d. h., Emotionen und Freude am Lernen spielen eine wichtige stabilisierende Rolle.

 

In ihrem Buch geht Frau Jackel nach folgenden Themenschwerpunkten vor: „Motorik – Sprache – Musik“, „Senso-Motorik“ (Beziehungen zwischen Bewegung und Wahrnehmung), „Raum- und Zeitorientierung“ und „Aufmerksamkeit und Gedächtnis“. Diesen Kapiteln können Therapeutinnen/en, Pädagogen/innen, Coachs und Eltern wie ebenso den Vorworten und Einleitungsabschnitten wertvolle Anregungen für ihren täglichen Umgang mit Kindern, Schülern, Studenten und Klienten entnehmen, zumal stets   tradierte, oft auch von ihr erfundene Spiele, Sinnesreisen, Handlungsaufträge, Lieder, Sprechspiele usw. in „gehirnorientierte(n) Lernsituationen“ (S. 14) ganz praxisnah eingefügt werden. Insbesondere hat mir gefallen, dass die Verfasserin Wert darauf legt zu betonen, dass in allen Lernprozessen die emotionale Stützung, die Freude am Lernen und auch Humor und Witz eine große Rolle spielen (sollten). Diesen Zusammenhang begründet sie wie alle ihre anderen Postulate mit Hilfe hirnphysiologischer und sogar hirnanatomischer Fakten, die oftmals uralte entsprechende Erfahrungen der pädagogischen und therapeutischen Praktiker bestätigen, weil sie erst heutzutage durch neurowissenschaftliche  bildgebende Untersuchungen bewiesen werden können. Die eben genannten Erfahrungen eines freudvollen und auch humorvollen Lernens sollten noch mehr in allen therapeutischen und pädagogischen Maßnahmen Eingang finden, ohne in eine banale und wenig nutzbringende „Spaßtherapie“ abzugleiten.

 

Weiterhin empfiehlt die Autorin die Berücksichtigung solcher Grundsätze wie Individuumzentriertheit unter Beachtung der Förderung von positiven sozialen Fähigkeiten des Einzelnen, weiter die Schaffung einer ausgewogenen Balance zwischen einem ganzheitlichen Förderansatz und spezifischen therapeutischen und pädagogischen Maßnahmen, der Bereitstellung einer „Wohlfühlspannung“, von „Zeitlassen“ und „Freiraum“ je nach individueller Notwendigkeit.

 

Damit versucht sie ganz brisante gegenwärtige Probleme in der Erziehung und Betreuung der Kinder vom Säuglingsalter an, die allerdings bis in die Erwachsenentherapie reichen, anzusprechen und praktikable Lösungsvorschläge zu unterbreiten. So führt sie eine Vielzahl von Spiel- und Übungsmöglichkeiten an, die ein „hirngerechtes Lernen“ erleichtern. Sie sind es wert, auch im Bereich der myofunktionellen Therapie angewendet zu werden. Dabei wird ein weiterer Vorzug des Buches deutlich. Frau Jackel bezieht sich in vielen Abschnitten auf die enge Verbindung allgemeiner Lernvorgänge mit sprachlichen Begleit- bzw. Initialeinflüssen. Hier weist sie wiederum auf neueste Erkenntnisse im Rahmen bildgebender neurophysiologischer Untersuchungen hin. Sie selbst versteht es, mit ihrer sprachlich-stilistischen Diktion die doch manchmal komplizierten Inhalte anschaulich und einleuchtend darzustellen.

 

Auch insgesamt ist die Publikation sehr leserfreundlich gestaltet, sowohl vom allgemeinen Aufbau als auch Layout her. Jedem der Schwerpunktkapitel sind Verzeichnisse zur wissenschaftlichen Literatur und zu praktischen Übungs- und Spielesammlungen angefügt. Ein Gesamtliteraturverzeichnis folgt am Ende des Buches. Ein Abbildungsverzeichnis zeugt ebenfalls von der wissenschaftlichen Akribie der Verfasserin. Allerdings vermisst der Rezensent ein Glossar, das angesichts der Vielzahl wichtiger Einzelfakten für eine Neuauflage zu bedenken wäre. Summa summarum ist dem Buch eine große Leserschaft zu wünschen.

 

                                                    Prof. Dr. Volkmar Clausnitzer

 

Jackel, B. (2008):To learn as the brain likes to. Practical Learning and Playing Proposals for the Kindergarten, Elementary School and Family. Kirchzarten near Freiburg: VAK Verlags GmbH. ISBN 978-3-86731-014-7. 182 Pages. € 15,95.

(Recension by Professor Dr. V. Clausnitzer, translated into English by E. Thiele).

It was the goal of the longstanding school and college teacher Dr. Birgit Jackel which she had aimed at to mediate the basics of a “brain-orientated learning”, i.e. to outline how the human brain functions in the uptake of new experiences and how the learning methods used at this may be conducive or counterproductive. The glee and engagement with which she brought about to review current neuro-scientific perceptions in a practically relevant and popular but by no means simplifying way is showing that she takes experience from a large fund of own practical experience. And with this she has rendered Myofunctional Therapy a great service which notoriously a not always easy learning process.

 

 

It is  a special merit for the author to have amalgamated three lines of development in the discussion about learning and to elucidate their reciprocal dependence each time on the basis of with the latest and imaging processes ascertained neuro-biological facts:

1.) Children are learning with all their seven senses (adolescents and adults as well).

2.) Increase in learning takes place if previously stored contents of memory are not sufficient for solving a problem, a life task etc.

3.) In every learning process the limbic system participates i.e. emotions and learning pleasure are playing an important and stabilizing role.

In her book B. Jackel is proceeding in the sequence of the following thematic priorities:

“Motor skills – language – music”, “senso-motor skills” (relation between movement and perception), “room and time orientation” and “alertness and  memory”.

From these chapters as well as from the prefaces and introduction paragraphs therapists, pedagogues, coaches and parents may get valuable suggestions for the daily contact with children, pupils, students and clients, especially as always traditional or many times even games invented by her, “Sinn Reisen” (quests), action orders, songs, language games and so on are put in in

brain oriented learning situations” in a practice oriented manner( Page 14). It especially pleases the reader that the author is accentuating the prominent role (that should be assigned to )  the emotional support , the joy of learning and the delightful sense of humour. She is founding this connection like pr her other postulations with the aid of brain-physiological and even brain-anatomical facts that are frequently stating ancient respective experiences of pedagogical therapeutical practicians as they can be, nowadays, substantiated by neuro-scientific imaging researches.

The above cited experiences of  joy of learning and delightful sense of humour should find even more access into all therapeutic and pedagogic measures without, however, to wander off into a less profitable “fun therapy”.

Furthermore the author recommends to factor in principles as the individual centred approach with respect to fostering positive social abilities of the individual, furthermore the creation of an equilibrated balance between a holistic facilitation attempt and specific therapeutic and pedagogic measures, the provision of a “wellness-potential” of  “allowing time” and “free space” in respect of the individual necessities.

Saying this she tries to approach quite volatile issues in the education and attendance of children beginning from the infancy and, indeed, going over into the adult therapy and to make practicable suggestions. In this connection she refers to a multitude of play and training possibilities which will facilitate a  “brain-orientated learning”. They, indeed, are worth being practiced in the Myofunctional Therapy.

This illustrates a further advantage of the book. Jackel refers in many paragraphs to the neat connection of common learning procedure with linguistic backing- respectively initial influences. And here she points towards the latest results in connection with imaging neuro-physiological investigations. She herself  knows to present the sometimes quite complex contents vividly and evidently through her linguistical-stilistic elocution.

 

Even seen in toto this publication is featured reader-friendly, as well in the overall design as in its layout. To each of the focal point chapters registers are added containing scientific literature and practical exercise and game collections. An overall bibliography is given at the end of the book. A list of illustrations as well states the scientific meticulousness  of the author though the reviewer Is missing a glossary that, in respect to the multiple single facts should be considered in a reprint.

Summa summarum a large reading public is desirable for this book.

Prof. Dr. Volkmar Clausnitzer